Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,
Liebe Leserin, lieber Leser,

Vor zehn Jahren, 1992, fand in Rio de Janeiro die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED), auch Erdgipfel genannt, statt. Der in der Agenda 21 festgeschriebene Konsens, nachhaltige Entwicklung zur Richtschnur der Umwelt- und Entwicklungspolitik zu machen, galt als Meilenstein der Geschichte.

Viele Kommunen, in Deutschland allein 2000, sind dem Appell nachgekommen und haben Initiativen zur Umsetzung der lokalen Agenda 21 ergriffen. Bürgerinnen und Bürger, kommunale Organisationen und Einrichtungen, Schulen, lokale Wirtschaftsunternehmen entwickeln zusammen ökologische Konzepte für Verkehr, Abfallbeseitigung oder den Energiebereich.

Das Kapitel 36 der Agenda 21 beschäftigt sich mit einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Umweltpädagogik und entwicklungsbezogener Bildung fällt gemeinsam die Aufgabe zu, Strategien für die Einbeziehung von Umwelt und Entwicklung als Querschnittsthema auf allen Ebenen des Bildungswesens zu entwerfen. Die UNESCO hat für diesen Prozess die Rolle des Task-Managers übernommen.

Jetzt, zehn Jahre nach Rio, im Vorfeld des Umweltgipfels in Johannesburg, der im September dieses Jahres stattfinden wird, fällt die Bilanz ernüchternd aus: „Der Fortschritt in Richtung auf die Ziele von Rio ist langsamer als vorgesehen. In einigen Bereichen sind die Bedingungen schlechter geworden.“, so Kofi Annan, der Generalsekretär der Vereinten Nationen. Es ist auch nicht gelungen, das Nachhaltigkeitskonzept ausreichend zu popularisieren.

Das vorliegende Heft des Forums möchte den Stand der Umsetzung der Forderungen des Erdgipfels von Rio sowie konkrete Aktivitäten von unesco-projekt-schulen darstellen. Auch wenn man Rio im Hinblick auf die globalen Zielsetzungen als gescheitert bezeichnen muss, gibt es insbesondere für die Schulen keinen Anlass zur Resignation. Die Agenda 21 verweist auf die komplexen Zusammenhänge von Ökonomie, Ökologie und sozialen Systemen und öffnet den Blick für die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen von Nord und Süd. Das Bewusstsein für diese Zusammenhänge hat vielen pädagogischen Bereichen neue Impulse gegeben.

Die vorgestellten Projekte zeigen, dass Bildung für Nachhaltigkeit als Richtschnur für interdisziplinäre und partizipative Lernprozesse dienen kann. Die Beispiele sind so gewählt, dass sie einen Einblick in die Vielfalt möglicher Zugänge geben. Bildung für Nachhaltigkeit hat im Fachunterricht einen Platz; in unserem Fall geht es um ein Beispiel aus dem Technikunterricht in Frankfurt (Oder). Die Umsetzung der Agenda 21 fordert allerdings geradezu Interdisziplinarität und Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteuren. Das Projekt aus Wolfenbüttel verbindet lokale Aktivitäten und internationale Solidaritätsprojekte. Der Ansatz lässt sich auch zur ökologischen Umgestaltung des gesamten Schullebens nutzen, wie es die Internationale Gesamtschule Heidelberg sehr überzeugend zeigt. Und warum nicht eine internationale Konferenz mit jugendlichen Teilnehmer/innen im Rahmen von Schule durchführen? In diesem Jahr wird zum dritten Mal die Internet-Konferenz Agenda 21 NOW! stattfinden, ein Projekt, das Jugendliche zweier Schulen nicht nur mit der Technik der Neuen Medien, sondern auch mit der englischen Sprache und den Forderungen der Agenda 21 vertraut macht und sie darüber hinaus mit Jugendlichen in aller Welt in Verbindung bringt.

Ich wünsche mir, dass Sie sich, liebe Kolleginnen und Kollegen, durch die zu erwartende kritische Diskussion um Rio+10 nicht in Ihrem Engagement beirren lassen.

Ihre
Eva-Maria Hartmann