Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit dem 11. September hat sich die Welt verändert. Dass der Weltfrieden und die wirtschaftliche Sicherheit brüchig sind, darüber können nun auch die Bürgerinnen und Bürger der USA und Europas nicht mehr hinwegsehen. Die Terroranschläge in den USA überschatteten auch die 36. Jahrestagung der unesco-projekt-schulen. Es wurde viel und kontrovers diskutiert. Zwei Resolutionen entstanden. Diese finden Sie in dieser Ausgabe des Forums. Die vollständige Dokumentation der Jahrestagung ist allerdings in der nächsten Ausgabe, die im Dezember erscheinen wird, vorgesehen.

Alle Bundesländer sehen in der Entwicklung von Schulprogrammen eine wichtige Aufgabe. Aus der Zeitschrift PÄDAGOGIK durften wir eine Übersicht über die Konzepte und Vorschriften in den einzelnen Bundesländern übernehmen.

Für unesco-projekt-schulen war Schulentwicklung schon immer ein Thema, da sie mit ihrer Aufnahme in das UNESCO-Schulnetz die Verpflichtung eingegangen sind, das Schulleben nach den Zielen der UNESCO zu gestalten.

Vielfach allerdings bleibt die UNESCO-Arbeit auf wenige aktive Kolleginnen und Kollegen, die UNESCO-AG oder Projekttage am Ende des Schuljahres beschränkt. Die alltägliche Arbeit, der Unterricht, unterscheidet sich wenig von der anderer Schulen. Erst in jüngster Zeit haben die unesco-projekt-schulen dies als Mangel erkannt. In den vor kurzem verabschiedeten Leitlinien wird die Entwicklung eines Schulprogramms erwartet, „in dem die Ziele und Schwerpunkte der Schule als unesco-projekt-schulen verankert sind und nachhaltige, interkulturelle und Netzwerkarbeit verbindlich ist“.

Etliche unesco-projekt-schulen haben sich auf den Weg gemacht. Sie entwickeln ihre Schulprogramme auf der Basis der UNESCO-Idee, allerdings keineswegs nach einem einheitlichen Konzept. Das würde nicht zum Stil der unesco-projekt-schulen passen. Die Spannbeite reicht vom Total Quality Management (TQM), das der Wirtschaft entlehnt ist, bis zum reformpädagogischen Konzept. Manche Schulen folgen dem von ihrem Kultusministerium vorgezeichneten Weg, andere wollen sich „um sich selbst kümmern“. Es gibt Schulen, die sich mit viel Engagement und Zeitaufwand als ganzes System auf den Prüfstand stellen und verändern. Die meisten gehen aber eher vorsichtig vor, indem sie an der einen oder anderen Stelle experimentieren.

Die Entwicklung eines Schulprogramms kann sehr spannend und befriedigend sein. Wer sich darauf einlässt, muss aber einen langen Atem haben. Im Hauruck-Verfahren ist nichts zu erreichen. Es wird allenfalls Porzellan zerschlagen. Dabei ist die Wahl des Konzeptes, die professionelle Begleitung und natürlich die Frage, wer den Prozess im Gang setzt und trägt, von grundsätzlicher Bedeutung. In dieser Ausgabe des Forums setzt sich Susanne Gondermann mit Chancen und Fallstricken verschiedener Konzepte auseinander. Einige unesco-projekt-schulen berichten von ihren eigenen Erfahrungen.

Es wäre schön, wenn Sie sich von diesem Heft dazu inspirieren ließen, sich mit Ihrer eigenen schulischen Arbeit kritisch zu befassen.

Ihre

Eva-Maria Hartmann