Editorial

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2001 zum Internationalen Jahr „Dialog zwischen den Kulturen“ ausgerufen. Damit ist insbesondere die UNESCO, der ein explizites Mandat für Kultur übertragen ist, angesprochen. Durch geeignete Veranstaltungen soll sie das Konzept des Dialogs zwischen den Kulturen befördern. Schulen sind aufgefordert, durch interkulturelles Lernen einen Beitrag zur Dialogfähigkeit junger Menschen zu leisten.

Den unesco-projekt-schulen kommt die Aufmerksamkeit, die dem Miteinanders der Kulturen gewidmet ist, sehr entgegen. Das UNESCO-Schulnetz wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, durch interkulturelle Erziehung einen Beitrag zum Frieden zu leisten. Interkulturelles Lernen bedeutet für die unesco-projekt-schulen zum Beispiel, dass sie vielfältige Begegnungen ermöglichen (vgl. Forum 4/2000) und Methoden der Gewaltprävention und des Konfliktmanagements entwickeln und erproben. Projekte dieser Art bekommen in einer Welt, in der Rassismus weit verbreitet ist und zunimmt, eine immer wichtigere Bedeutung. Im Bereich der unesco-projekt-schulen gibt es folglich keinen Mangel an guten Bespielen. Diese werden auch bei der kommenden Jahrestagung, die dem „globalen Lernen“ gewidmet sein wird, thematisiert.

Das vorliegende Forum braucht also nicht auf die Bedeutung des Internationalen Jahres hinzuweisen. Die unesco-projekt-schulen wollen es aber als Anlaß nutzen, um ihre Arbeit zu überdenken und um defizitäre Bereiche wie fehlende Konzepte für den Fachunterricht anzugehen.

Die ersten beiden Artikel im vorliegenden Forum führen in das Schwerpunktthema ein. Im ersten setzt sich der Kulturreferent der Deutschen UNESCO-Kommission, Roland Bernecker, mit den Hintergründen der Resolution und dem Konzept „Dialog zwischen den Kulturen“ auseinander. Der zweite Beitrag von Ewald Kiel wurde bereits 1996 verfasst. Trotz seiner Länge habe ich mich entschlossen, ihn ungekürzt abzudrucken, da er in umfassender Weise die theoretischen Grundlagen der aktuellen pädagogischen Diskussion zum Interkulturellen Lernen darstellt.

Im Praxisteil finden Sie Beiträge aus unterschiedlichen Bereichen. Ein Projekt aus dem beruflichen Bereich setzt sich mit den Bedingungen des Zusammenlebens in einer multikulturellen Gesellschaft auseinander. Die daran anschließenden Artikel sind dem interkulturellen Lernen im Fachunterricht gewidmet. Die Stärken der unesco-projekt-schulen liegen in den mit hohem Engagement durchgeführten ausserunterrichtlichen Veranstaltungen. Oft hängt die Organisation an wenigen Kolleginnen und Kollegen und der UNESCO AG der Schule. Angesichts sich stetig erhöhender Anforderungen werden diese zunehmend als belastend empfunden. Eine Spaltung des Schullebens in einen (ausserunterrichtlichen) UNESCO-Bereich und einen lehrplanmäßigen Unterricht, in dem UNESCO-Themen nur am Rande vorkommen, lässt sich pädagogisch nicht rechtfertigen.

Um die Lücken an guten Materialien für den Fachunterricht zu schließen, hat eine Arbeitsgruppe von Lehrerinnen und Lehrern aus Nordrhein-Westfalen, überwiegend an unesco-projekt- schulen tätig, mit Unterstützung ihres Kultusministeriums und mit EU-Mitteln eine wegweisende und in ihrer Art einzigartige Reihe von zunächst 12 Unterrichtsvorschlägen für die Fächer Deutsch, Mathematik, Türkisch und Fremdsprachen entwickelt.

Zum Abschluss möchte ich Sie auffordern, die Möglichkeiten, die sich aus einer Verknüpfung des UNESCO-Jahres mit dem europäischen Jahr der Sprachen ergeben auszuloten und zu nutzen.

Ihre

Eva-Maria Hartmann